Kahlschlag Weilerwiese

Weilerwiese März 2014
Parkplatz Weilerwiese Februar 2014
Parkplatz Weilerwiese Februar 2014
Parkplatz Weilerwiese März 2014
Parkplatz Weilerwiese März 2014

„Das darf doch nicht wahr sein!“ oder “ Warum haben die denn alles weggemacht!“ – Das und ähnliche Stimmen waren auf der Weilerwiese zu hören, als ich Ende Februar Leuten zugehört habe, die den Ort vor dem 27.2. kannten und einige Tage später im Vorübergehen oder als Parkplatzbenutzer das Geschehene kommentierten. Auch ich war vom Ausmaß des neuen Pelgrim’schen Kahlschlags schockiert und musste in den Tagen danach erst eine Zeit der Empörung und inneren Aufgewühltheit überstehen. Hätte ich angesichts des Resultats der Baumfällaktion einen Verantwortlichen der Verwaltung oder der Gemeinderats vor Ort angetroffen: Ich glaube, es wäre etwas laut geworden.

Tatsächlich war am 28.2.14 von dem gesamten Bestand nur noch eine Baumreihe vor dem Solebad und der Bereich Freizeitgelände verschont worden. Über 50 Bäume und alle Hecken, auch die am Rand und zum Kocher hin alle sind niedergemacht worden. Der Anblick des Ganzen war schockierend. Doch hat in den Tagen danach kein Gemeinderat, kein Journalist, kein Politiker …  niemand außer den „Augenzeugen“ hat das im Anschluss kommentiert, gerechtfertigt oder kritisiert.  Man ist zur Tagesordnung übergegangen; das HT verbreitete verstärkt Faschingsberichte und wie gewohnt Erfolgsgeschichten der heimischen Wirtschaft. Anscheinend ist es in der Stadt mit dem Namen einer Bausparkasse nicht der Rede wert, wenn so viele Bäume ohne ersichtlichen Grund gefällt werden, das scheint normal und tolerabel. Hier in Hall drängt sich der Bürger- und Wählerschaft offensichtlich zunehmend die Haltung auf: „Da können wir ich ja eh nichts ändern“.  Als Reaktion und ins Bild von lange ertragener Ohnmacht passt jedoch der couragierte, vereinzelt in der Stadt angebrachte satirische Aufkleber mit dem OB als „Kettensägemonster“ gut hinein. Warum nicht auch so?

Ich denke im Abstand von 3 Wochen nach dem Weilerwiesenkahlschlag, dass  gesunder Menschenverstand  und die Verantwortung für Stadt und Bürgerschaft dazu führen müssen, dass in Zukunft solche Fällaktionen oder ähnlich gerichtete Maßnahmen der Stadtverwaltung unterbleiben. Im vorliegenden Fall Weilerwiese war erstens die Fällung in diesem Ausmaß nicht notwendig (Bisher ist nur der Bau des Ärztehauses genehmigt, keine Tiefgarage und auch kein zweites Gebäude); zweitens sind für die dort lebenden Tiere jetzt ihre Brut- und  Lebensräume  für immer verloren; und drittens handelte man gegen die Interessen der Bürgerschaft, in der großes Interesse vorhanden ist, dass das noch bestehende Grün der Stadt in vollem Umfang erhalten bleibt.

Es kann nicht angehen, dass in einer Zeit ohne Bevölkerungszuwachs in Bawü jeden Tag  für Gewerbegebiete und Wohnsiedlungen eine Fläche von 7 ha (etwa fünf Fußballfelder) neu bebaut wird und wir in Schwäbisch Hall tatenlos zusehen, wie Teile unserer natürlichen Umgebung dem „Wachstumswahn“ und der „Marktmacht“ geopfert wird. Meiner Meinung nach wird es Zeit, dass im Blick der Bevölkerung das Verbessern von Lebensgefühl und Lebensqualität die dagegenstehenden Markt-, Profit- und  Konsuminteressen in den Hintergrund drängen. Leider sind es nur Leserbriefe und nichtöffentliche Unzufriedenheiten, die als Meinungsbild durch Hall geistern; kein spontanes Aufbegehren und konsequentes Fordern von Umweltschutz und Nachhaltigkeit. Aber ich denke und hoffe, dass  bald die Zeit kommt, in der eine engagierte Bürgerschaft einschließlich dem eigentlich  dem Gemeinwohl verpflichteten Gemeinderat der wirtschaftsschlauen Bau- und Geschäftspolitik dem OB und seinem „Lobby-Dunstkreis“ Einhalt gebietet.

Von Weilerwiese bis Haalplatz: Wehren wir uns, wenn in Zukunft erneut gesunde alte Bäume aus betriebswirtschaftlichen Gründen Opfer von Kettensägetätern zu werden drohen!

Wehren wir uns, wenn die da oben nach Parteiengeplänkel und Wichtigtuereien mit dem Zielen der Bau- und Profitlobby unsere Stadt durch unnötige Bauten zu verschandeln drohen!

Stärken wir die Demokratie in Schwäbisch Hall durch fundierte Kritik und konstruktive Bürgerbeteiligung!

Peter Wüntscher, Schwäbisch Hall

 

1 Kommentar

  1. Es gibt weitere Gründe, den Kahlschlag von Bäumen zu stoppen und mehr Grün in der Stadt zu fordern. Ich zitiere hier die taz vom 03.04.2014:
    „Der alarmierende Weltklimabericht hat einmal mehr gezeigt: Es wird Zeit, jetzt Strategien gegen die Hitze von morgen zu entwickeln. Besonders in den Städten im Süden der Republik. Denn deren Bewohner werden den globalen Temperaturanstieg am stärksten zu spüren bekommen – und auch mit dem Leben bezahlen. “
    Ja, wir leben im Süden der Republik und haben mit dem Kocherquartier und dem Froschgraben einen Beton- und Glasklotz mit Steinbelag erhalten. Schatten spendende Bäume wurden dagegen sehr sparsam gepflanzt. Froschgraben: zero. Bonhoeffer-Platz: 1 Baum, schön an den Rand gerückt. Boule-Fläche vor dem Haus der Bildung: immerhin einige Platanen. Kocherquartier: zero.
    Weilerwiese: Kahlschlag.
    Warum ist das so? Weil das Laubrechen Arbeit ist und Arbeit Geld kostet?
    Weil an entscheidender Stelle die Bedeutung des Grüns für Klima und Schönheit einer Stadt nicht erkannt werden.
    Man muss es fühlen können, was Grün bedeutet.

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