Feedbacks und erstes Fazit zu „Haalpatz 2021“

Haalplatz 2021 – Freitag 29.03.2014

Wir arbeiten gerade mit Hochdruck daran, die Veranstaltung an dieser Stelle angemessen zu dokumentieren. Ein bisschen Geduld ist noch notwendig, denn da wir das alles ehrenamtlich machen, ist das natürlich auch für uns eine weitere Herausforderung (nach Vorbereitung UND Durchführung der Veranstaltung selbst).

Einiges an Feedback haben wir zu unserer Veranstaltung zur geplanten Umgestaltung des Haalplatzes schon bekommen. Die schönste erreichte uns schon Freitagnacht von einer Besucherin der Fachvorträge und des Podiums am Freitag:

Betreff: Welch ein guter Abend!
Datum:
28. März 2014 23:31:57 MEZ
Ihr Alle und all Eure Mitengagierten des Bürgerforums,
es war ein so gehaltvoller, guter Abend, dass ich ganz glücklich bin. Dass eine Veranstaltung zu Ende geht und tatsächlich für den nächsten Tag eine Offenheit entstanden ist im Suchen nach Fragen und Hypothesen für den Haalplatz; dass Landesbehördenvertreter anwesend waren, von denen man den Eindruck gewinnen konnte, dass sie an der Sache selbst dran sind; dass ein gestandener Professor in großer innerer Lebendigkeit und mit großem Engagement dafür eintritt, die Grundfragen erst zu beantworten, ehe etwa Brücken- oder Parkplatzfragen im Raum stehen können: das ist eine wirklich gutes Erlebnis, vielleicht eines der besten, die ich in den letzten Jahren machen konnte.
Und das ganze Drumherum, samt wunderbaren kulinarischen Genüssen, samt unglaublich guter Technik, die es mir ermöglicht hat, nichts zu verpassen, bis hin zum stimmigen Überreichen der Präsente für die geladenen Redner: Ich danke Euch sehr!
Gute Nacht und bis morgen – mit herzlichen Grüßen! 

Andere haben sich die halbe Nacht damit herumgeschlagen, wie sie auch am Samstag beim Workshop dabei sein können, wo sie doch eigentlich schon terminlich gebunden wären – und sind gekommen!
Nicht vergessen dürfen wir den Artikel im Haller Tagblatt von Verena Bufler, die bedauerlicherweise am Freitag zwischendurch mal zum Vortrag des Türkischen Botschafters musste, aber immerhin auch Samstagnachmittag gut 2 Stunden beim Workshop dabei war – „neutral zuschauen in einer Workshopgruppe“ – und 5 Minuten später selbstverständliches Mitglied der Gruppe war und einfach mitarbeitete über dem großen Lageplan des Haalplatzes auf dem Tisch.

Erstes (Zwischen?-) Fazit.
Nicht wirklich rübergekommen sind im Artikel der Zeitung ein paar wichtige Grunderkenntnisse der Veranstaltung:

  • Von den Fachleuten von außen betrachtet ist es gar keine Frage, dass die Umgestaltung eines solchen Platzes in breiter Bürgerbeteiligung angegangen werden muss. Schließlich wird über Jahrzehnte ein Identifikationsort ihrer Stadt ein anderes Gesicht erhalten.
  • Das Bürgerforum ist mitnichten ein „Stammtisch“ von „Schreihälsen“ und es ist auch nicht im Sinne der Demokratie, dass sich nur Mandatsträger im Gemeinderat politisch beteiligen dürfen. Engagement in der Bürgerschaft, sei sie nur temporär oder nur für ein bestimmtes Thema, kann sehr wertvolle und wichtige Impulse geben für die Entscheidungen in der Kommune. Dafür war diese Veranstaltung lebendiger Beweis!
  • Einseitige oder unvollständige Unterrichtung der Mandatsträger hat eine geringere Chance, wenn Fachleute in der Öffentlichkeit gehört werden. Es war für die anwesenden Gemeinderäte durchaus überraschend zu hören, dass die Archäologen der Landesdenkmalpflege die Probebohrungen letzten Jahres auf dem Haalplatz so ganz anders bewerten („von der Bedeutung gleichzusetzen mit dem Ulmer Dom als Hochbau-Kulturdenkmal“) als die Stadtverwaltung („nichts besonderes zu finden gewesen“).
  • Dabei war v.a. der Chefarchäologe Prof. Dr. Dirk Krausse gar nicht mal komplett dagegen, eine Tiefgarage unter dem Haalplatz zu errichten. Er hat nur wohl unumgängliche Randbedingungen dazu fixiert: Nur unter einem Teil des Haalplatzes, um keinen Totalverlust des historischen Erbes zu erleiden. Und es würde vor dem TG-Bau eine archäologische Grabung stattfinden. Die kostet viel Zeit (Jahre) und der Stadt als Veranlasser viel Geld.
  • Angelika Reiff, im Landesdenkmalamt für die Kultur- und Baudenkmalpflege in Hall zuständig, stufte die einzelnen Baudenkmäler in ihrer Bedeutung unterschiedlich ein. Während das Ensemble um den Haalplatz mit Sulfertor/-steg, roter Steg mit Turm und Haalmauer sehr bedeutsam sind, ist der letzte historische Bogen der Henkersbrücke in seiner Schutzbedürftigkeit eher geringer einzustufen. Neue Ansätze für das Verkehrsthema?
  • Im Bürgerworkshop wurde in den 5 Arbeitsgruppen zwar übereinstimmend ein Café für den Haalplatz befürwortet und die Zahl der Stellplätze stark verringert. Aber das ist nicht das Ergebnis des Workshops. Das Ergebnis war: Diese Art und Weise, die Menschen an einen Tisch zu bringen und sie gemeinsam Lösungsansätze erarbeiten zu lassen, hat ganz hervorragend funktioniert. Und sollte weitergeführt und vertieft werden!
  • Der Workshop hat keine Ergebnisse, zeigt allenfalls Tendenzen, die aber noch keinen Bestand haben können. Richtig durchgeführt kann es durchaus sein, dass es am Haalplatz keinen Café-Vorschlag siondern etwas ganz anderes gibt. Es ging um die Vorstellung der Methode, das hat funktioniert und wenn, dann ist das das Ergebnis.

Allgemein bedauerlich ist und bleibt die Abwesenheit der Stadtspitze, auch wenn es dafür gute Gründe gab, terminlich anderweitig gebunden zu sein. Begrüßenswert, dass aus rein persönlichem Interesse wenigstens Dieter Koch anwesend war, der stellvertretende Leiter des Fachbereichs Planen und Bauen bei der Stadt. Sicher wäre es auch wünschenswert gewesen, angesichts der nahenden Kommunalwahl mehr Gemeinderäte begrüßen zu dürfen. Vor allem Freie Wähler und die FDP-Fraktion glänzten durch Abwesenheit. So müssen wir leider schon wieder übereinander, statt miteinander reden. Immerhin freute es uns sehr, dass die Vorsitzenden der beiden größten Fraktionen SPD und CDU und auch Mitglieder der Grünen anwesend waren. Und von unserer Freitags-Veranstaltung wie alle anderen Anwesenden sehr angetan waren. (Zitat Graf von Westerholt: „Ich wünschte mir, dass wir auch mal so profunde Fachleute bekommen würden.“).
Was uns gerade noch irritiert: wo wohl die „Politik-Granden“ – die Berichterstatter und Kommentatoren der Kommunalpolitik des Haller Tagblattes – waren?
Der eine will uns ständig für ein „Streitgespräch“ auf einem von ihm moderierten Podium mit Thomas Preisendanz (FDP) gewinnen. Der andere will laut seinem Kommentar unsere Arbeit nur als Gemeinderatsliste für legitim erachten, und der Dritte legt uns – raffiniert formuliert – die Urheberschaft von wilden Stickeraktionen in der Stadt nahe, obwohl wir es ihm ganz klar gesagt haben, dass es nicht so ist.
Genau diese 3 sind aber dann leider nicht anwesend, wenn sie sich direkt, unverstellt und in voller Breite anschauen können, wie und warum Bürgerbeteiligung wirken kann. Zu einem seit Monaten die ganze Stadt umtreibenden Thema wird eine Nachwuchsjournalistin entsandt, die im Rahmen ihrer Möglichkeiten zwar ordentlich berichtet, aber naturgemäß die politische Tragweite der Inhalte dieser Veranstaltung nicht wiedergeben oder einordnen kann – und wahrscheinlich auch gar nicht soll. Neutrale, ausgewogene Berichterstattung ist das in Summe nicht. Frau Bufler hat wahrheitsgemäß über das berichtet hat, was sie wahrgenommen hat. Aber die Meinungsmache des HT’s läuft zwar in die eine Richtung wie geschmiert, aber in die andere Richtung findet sie erst gar nicht statt.

Uns bleibt: Die Zeugen unserer Veranstaltung immer wieder daran zu erinnern, dass sie diejenigen sein müssen, die den Geist und die Erkenntnisse dieser 2 Tage in die Öffentlichkeit tragen müssen. Hier an dieser Stelle eine nachvollziehbare Dokumentation anzubieten. Und diese auch weiterhin in Gesprächen und Veranstaltungen an die Entscheidungsträger weiterzugeben.

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Über Sven Haustein 33 Artikel
selbständiger freier Architekt in Schwäbisch Hall, vielseitig ehrenamtlich engagiert z.B. beim gemeinschafltichen Bauen in Schwäbisch Hall, bei Hall Aktiv, im Carsharing-Verein "teilAuto Hall e.V.", Haus & Grund, der Architektenkammergruppe und dem Bürgerforum.

2 Kommentare

  1. Guter Nachtrag zur Veranstaltung! Sonderlob für deine Arbeit, Sven!
    Es soll meiner Meinung nach für die Öffentlichkeit besonders herausgestellt werden, dass „unser Haalplatz“ vor allem der Lebensqualität der Menschen gerecht zu werden versucht, der Workshop-Personas und auch anderer Nichtbetrachteter (Arbeitslose, Migranten). Die Hallerinnen und Haller, sowie alle Besucher Halls haben es verdient, dass der historisch wertvolle Haalplatz neu belebt und im Interesse aller, Alt und Jung, aufgewertet wird.
    Dass es in Zukunft zu Interessenkollisionen mit dem „Konzern Schwäbisch Hall“ kommen wird, scheint vorprogrammiert. Mit Spannung erwarte ich deshalb Gesprächsangebote von Verwaltung und Gemeinderat.
    Es kann nicht sein, dass man auf die inhaltliche Zusammenarbeit mit einer solchen Bürgerschaft und einem Bürgerforum dieser Art verzichten kann.
    Gruß, Peter Wüntscher

  2. Danke an das Team der AG Stadtentwicklung, das diese hervorragende Veranstaltung auf den Weg gebracht hat. Interessante Vorträge zur Stadtgeschichte, vor allem zum Haalbrunnen und dem Haalplatz. Denkwürdig der Satz von Dr. Krausse zur Bedeutung des Haalplatzes: dieser sei für die Archäologie so bedeutsam wie “das Ulmer Münster für die Kulturdenkmäler”. Wollte man das Münster einer Tiefgarage opfern? Wohl kaum.
    Ebenso erhellend die Äußerung von Stadtplaner Prof. Dr. Reschl zu den Gruppen, die die Bürgerbeteiligung nicht erreicht: Migranten, weil nicht ausreichend integriert, Kinder und Jugendliche, weil nicht in der Lage oder mit anderen Interessen unterwegs, und die Manager der Wirtschaftsunternehmen, weil die direkt beim OB anrufen und ihre Interessen reklamieren.
    Und doch sollen auch diese alle öffentlich ihre Vorstellungen und Visionen gleichberechtigt in die Waagschale werfen können.
    Zumindest dann, wenn man wirklich daran interessiert ist, die Politikverdrossenheit und das “Wutbürgertum” zu verringern.
    Eindringlich der Appell von Prof. Reschl, nicht im Hickhack und Klein-Klein von Details sich zu erschöpfen, sondern ergebnisoffen unter Beteiligung möglichst aller am Stadtgeschehen Interessierten eine Vision der Bürger zu entwickeln. Der Haalplatz und seine Bedeutung für den gesamten Raum der Innenstadt. Der Haalplatz als Gelenk und als Terrasse zum Kocher.
    Dass die Erarbeitung einer Vision unter Beteiligung vieler Bürger gar nicht so schwer ist, hat der Workshop am Samstag gezeigt. Wenn die Herangehensweise positiv ist und eine Dialogbereitschaft besteht, liegen die Ergebnisse sehr nahe beieinander.
    Es sind der Stadt noch viele solcher Veranstaltungen zu wünschen. Und es ist den Bürgern eine zum Dialog bereite Verwaltungsspitze zu wünschen.
    Nochmals herzlichen Dank!!

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