Über den Tellerand hinausgeschaut

Haalplatz 2021 – Samstag 30.03.2014

Leserbriefe zur zweitägigen Veranstaltung des Bürgerforums am 03.04.2014 im HT

Honoratiorengehabe und Desinteresse kaum zu begreifen
Als Innenstadtbewohner und Demokrat verstehe ich es immer noch nicht, weshalb weder Stadtverwaltung noch viele Stadträte Interesse daran haben, dass sich Bürger Zeit und Mühe machen, außerhalb der Gremen die Zukunft des Stadtbilds mitzuplanen. Gerade im Vorfeld der Kommunalwahl ist dieses Honoratiorengehabe und Desinteresse am Bürgerwillen kaum zu begreifen.
Der Workshop hat versucht, Interessen von Bewohnern, Besuchern, Händlern, Käufern und Kindern einzubeziehen. Was den Haalplatz angeht, muss man den Sole-Brunnen ins Zentrum rücken, einen Kommunikations- und Gastronomiepunkt schaffen, die Kultur- und Kunstszene miteinbeziehen. Jugendliche ansprechen, das Kocherufer gestalten und für Radfahrer einen Anlaufpunkt schaffen – der Fluss soll frei bleiben von Pontons und Brücken! Der Sulferturm könnte eine museale Funktion erhalten und als Aussichtsturm dienen. 30 Parkplätze für Gehbehinderte gehören ebenso dazu wie ein Steinbelag, der gut begehbar und altertümlich ist.
Was wird mit den Parkplätzen vor der Sparkasse? Der Suchverkehr durch die Altstadt muss reduziert werden, der Lieferverkehr sollte durch eine für die meisten Fahrzeuge durchfahrbaren Gestaltung des Bogens (tiefer legen, Bogen erweitern) geleitet und zeitlich begrenzt werden – wenige größere Fahrzeuge und die Feuerwehr müssen oben durch. Wie der Jakobimarkt erhalten bleiben kann, muss bedacht werden. Nebenbei: Das Globe kann problemlos an alter Stelle neben den alten Bäumen wieder errichtet werden.
Hans A. Graef, Schwäbisch Hall

Es entspinnt sich eine grundlegende Diskussion
Nach den interessanten Vorträgen, zu denen das Bürgerforum eingeladen hatte, überredet mich meine Freundin, am nächsten Tag auch zum Workshop zu kommen. Etwa 30 Leute sind ins Haus der Bildung gekommen – mit unterschiedlichen Erwartungen, wie sich herausstellt. Ich habe Ideen für den Haalplatz mitgebracht – aber die werden nicht erfragt. Ich bin enttäuscht. Statt dessen teilt man uns in Gruppen. Unsere Aufgabe ist es, uns zu überlegen, was fünf fiktive Personen an einem Samstagnachmittag im Jahre 2021 auf dem Haalplatz tun. Da sitzen wir nun, einander fremd, mit dieser Aufgabe. Wir stellen uns gegenseitig vor und machen uns an die Arbeit: Schnell stellt sich heraus, dass diese fiktiven Personen unterschiedliche Bedürfnisse haben. Wir entwickeln Ideen, sind ernsthaft und albern, kühl kalkulierend und hitzig diskutierend. Ideen lösen neue Ideen aus – die Sache beginnt mir Spaß zu machen. Dann kommt der Dämpfer: Wir bekommen die Ergebnisse einer anderen Gruppe und sollen diese auf einem Plakat umsetzen. Schon wieder müssen wir von unseren eigenen Ideen Abschied nehmen. Oh Mann!
Schritt für Schritt überlegen wir, wo was sein könnte auf dem Haalplatz – wie sich die Bedürfnisse aller am besten vertragen. Während draußen schon die Kaffeetassen klappern entspinnt sich noch eine grundlegende Diskussion. Erst ganz zum Schluss kommen wir zum Kern: Wie kann die Stadt die Quelle ehren, de sie ihren Ursprung verdankt? Am Ende haben wir eine Lösung, mit der alle in unserer Gruppe zufrieden sind. Ich glaube, wir sind sogar ein bisschen stolz. Als alle Gruppen ihre Ergebnisse präsentieren und wir Applaus bekommen, lächeln wir uns zu. Ich habe heute nicht nur geübt, über meinen eigenen Tellerrand hinauszuschauen, sondern auch ein paar neue Leute aus meiner Stadt kennengelernt.
Kathleen Uttrodt, Schwäbisch Hall

Über Sven Haustein 33 Artikel
selbständiger freier Architekt in Schwäbisch Hall, vielseitig ehrenamtlich engagiert z.B. beim gemeinschafltichen Bauen in Schwäbisch Hall, bei Hall Aktiv, im Carsharing-Verein "teilAuto Hall e.V.", Haus & Grund, der Architektenkammergruppe und dem Bürgerforum.

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