Schwäbisch Hall familienfreundlich? Testen Sie selbst.

Kirsten schickte einen Link auf die Website „Familienfreundliche Kommune“ der Landesregierung Baden-Württemberg.

http://www.familienfreundliche-kommune.de/FFKom/srvc_zukunftswerkstatt.asp

Hieraus zitiert:

Das Handlungsfeld Familie – Kinder – Jugend – ältere Menschen gehört zu den wichtigsten kommunalen Politikfeldern. Seit Anfang 2007 können Kommunen wie auch Unternehmen im Land die „Handreichung Familienfreundliche Kommune“ nutzen, um die bestehenden Angebote zur Familienfreundlichkeit – in den Handlungsfeldern „Kommune, Verwaltung und Vernetzung“, „Förderung und Unterstützung der Familie“, „Frühe Bildung, Betreuung, Erziehung“, „Bildung, Lebenslanges Lernen“, „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“, „Wohnen und Wohnumfeld, Verkehr“, „Freizeit, Kultur“, „Integration und interkulturelle Öffnung“, „Älterwerden, Generationenbeziehungen“ – auf ihre Erfolge hin zu überprüfen und zu ergänzen.

Die Handreichung bietet einen Kompass zur Analyse der aktuellen Situation einer Kommune. Sie gliedert sich in 10 Handlungsfelder. Damit können Kommunen, Institutionen und Organisationen ihre lokale Familienfreundlichkeit analysieren:

  • Ist unser Angebot für Familien, Jung und Alt in seinen Ausrichtungen und Priorität noch stimmig?
  • Sind die Angebote den Zielgruppen auch bekannt?
  • Treffen die Angebote den örtlichen Bedarf?
  • Sind die Akteure und Angebote miteinander vernetzt?
  • Sind die Bürgerinnen und Bürger an der Entwicklung und Umsetzung beteiligt?
  • Gibt es Über-/ Unterversorgungen?
  • Werden die Mittel effizient eingesetzt?

Die „Handreichung Familienfreundliche Kommune“ wurde gemeinsam erarbeitet von der Arbeitsgemeinschaft Netzwerk Familie Baden-Württemberg, der FamilienForschung Baden-Württemberg, dem Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden-Württemberg, sowie von Vertretern aus baden-württembergischen Städten, Gemeinden und einem Landkreis. Sie ist mit den kommunalen Landesverbänden abgestimmt und wird von diesen zur Anwendung empfohlen.

Betrachten wir die Punkte für die Jugend für Schwäbisch Hall im einzelnen:

  • Ist unser Angebot für Familien, Jung und Alt in seinen Ausrichtungen und Priorität noch stimmig?
    • Seit 2000 wurden Kindergärten geschlossen und zusammengelegt
    • Das Jugendzentrum wurde geschlossen und zum indischen Restaurant
    • Der Schülercafé am Haal wurde geschlossen
    • Der Jugendraum Farbrausch hat seinen ohnehin sporadischen Betrieb eingestellt
    • Es gibt kaum/keine nicht entgeltlichen Angebote
    • etc.
  • Sind die Angebote den Zielgruppen auch bekannt?
    • Die Angebote auf der Website der Stadt sind veraltet, zum Teil nicht mehr existent. (bsple: Farbrausch und Jugendsozialarbeit)
    • Die Angebote der einzelnen entgeltlichen Anbieter sind fragmentarisch. Mann muss suchen, um sie zu finden. Es ist eine deutliche Holschuld. Eine funktionierende zentrale Anlaufstelle gibt es nicht.
  • Treffen die Angebote den örtlichen Bedarf?
    • Die Kinderfreizeiten werden stark frequentiert
    • Für die Gruppe 0-8 gibt es Spielplätze.
    • Für die Gruppe 8-12 gibt es den Heimbacher Hof
    • Für die Gruppe 12-18 gibt es kein Angebot
  • Sind die Akteure und Angebote miteinander vernetzt?
    • Sollten sie es sein, so zeigt es sich nicht in der Öffentlichkeit.
  • Sind die Bürgerinnen und Bürger an der Entwicklung und Umsetzung beteiligt?
    • Teilweise werden sie gehört, wenn sie drauf bestehen. Eine geregelte Form der Beteiligung gibt es nicht. Planung und Initiative hierzu kommen überwiegend aus den nichtöffentlichen Bereichen der städtischen Gremien und der Verwaltung.
  • Gibt es Über-/ Unterversorgungen?
    • Für die Jugend gibt es nur Mitgliedschaft in Vereinen und Kirchen oder der Besuch ausserschulischer Bildungseinrichtungen wie der VHS. Ein offenes, beständiges, betreutes unentgeldliches Angebot fehlt.
  • Werden die Mittel effizient eingesetzt?
    • Wenn die Vermeidung von Ausgaben für die Jugend effizient ist, dann unbedingt ja.

Für die Jugend ist es kein leichtes Pflaster in Schwäbisch Hall. In den letzten zehn Jahren wurde lebahft diskutiert ihnen zu verbieten in Gruppen auf der Haalmauer zu sitzen (was man eine zeitlang auch versuchte polizeilich durchzuziehen),  sie haben im neuen Kocherquartier ein Duldungsrecht (sie dürfen sich solange dort aufhalten, solange sie potentiell auch Kunden sind und nicht weiter auffallen) und der kleine Siedershof wurde auch für Nichtsiederskinder geöffnet. Immerhin. Aber man kommt nicht umhin festzustellen, dass Schwaäbisch Hall den Bereich der Jugendlichen zwischen 12 und 18 nahezu vollständig ausblendet. Was interessant ist, das dieser Bereich zu den wesentlkichen weichen Standortfaktoren gehört. Fach- und Führungskräfte, die man in die Region holen will sind zu einem guten Teil in dem Alter, da sie Kinder in eben jener Altersgruppe haben. Wie attraktiv ist der Umzug einer Familie mit halbwüchsigen Kindern in die Region der Weltmarktführer? Historisches Ensemble, Kunstmuseum und Treppentheater alleine werden da nicht reichen, wenn man auf den unbedingten Wachstum setzt und diesen nachhaltig ausgestalten will. Modernität zeigt sich in Gebäuden, sicher, vor allem aber im Systemverständnis. Es reicht nicht modern auszusehen, man muss es auch sein.

Guido Kühn

 

 

Über Guido Kühn 24 Artikel
Professor in Heidelberg und Heilbronn. Seit 2001 Bürger und Selbstständiger in Schwäbisch Hall. Mitbegründer des Bürgerforum Schwäbisch Hall.

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