Spiel nicht mit den Schmuddelkindern?

Vorderseite Postkarte "Pelgrimzone"

Diese Tage bekam ich einen Anruf, der mich nachdenklich gestimmt hat. Unserer Bitte um Weitermeldung einer Filmveranstaltung im Haus der Bildung, organisiert von der Arbeitsgruppe „Nachhaltig Leben“ des Bürgerforums werde nicht entsprochen. Man möchte sich mit Menschen, die einen Flyer wie den mit der „Pelgrimzone“ verteilen, nicht gemein machen. So sehr man grundsätzliche Positionen des Bürgerforums an sich ja teile, wolle man allzu nahes In-Verbindung-Bringen doch vermeiden.

Das erste Wort, das mir dazu in den Sinn kommt ist nicht schön: „Sippenhaft“. Nahezu gleichzeitig kommt die Email, dass Nik Sakellariou mein „Freund“ werden will, zumindest auf Facebook. Das freut mich wirklich! Das erste, was ich von ihm dort lese, ist ein Eintrag, wie beeindruckt er von der ZDF-Satiresendung „Neues aus der Anstalt“ ist, wenngleich ihm „das Lachen selten so im Hals steckengeblieben“ ist.

Seltsam, wie das zusammenpasst. Denn genau an diese Sendung musste ich auch denken, als die „Pelgrimzone“-Postkarte das Licht der Welt erblickt hatte. Satire ist die richtige Form von Kritik an den Mächtigen, wenn Argumente nicht mehr durchdringen. Die Pelgrimzone ist Satire. Mehr nicht. Es ist der Versuch, mit Mitteln des Humors und der Zuspitzung, einer an sich beklagenswerten Situation mehr abzugewinnen als nur Gejammer, Gemecker oder Resignation. Augenzwinkernd den Sportpark, an den kein vernünftiger Mensch mehr glaubt, einfach einen Stock tiefer IN die geplante Tiefgarage zu verlegen, und das Ärztehaus umzuinterpretieren als den Müller-Wolfarth gestürzter Skateboard-Sportler, das hat Komik. Dabei sollten die eingewobenen Fakten auf der Rückseite der P-Postkarte nicht übersehen werden. Das Bürgerforum stellt anhand realer Zahlen gegenüber, was der Mehrheit im Gemeinderat für den Sportpark zu teuer war (700.000,-€) – und was man für Tiefgarage und Zwillingsbau auszugeben gewillt ist (von mind. 25.000.000,-€ ist die Rede). Ohne von OB Pelgrim oder der Verwaltung genauere Informationen einzufordern. Einfach so.

Warum nur, frage ich mich, wird Satire im ZDF als gutes und notwendiges Mittel medial-politischer Aufklärung gefeiert, aber hier in Hall so gar nicht verstanden? Selbst das Haller Tagblatt weiß in seinem Bericht zur Pelgrimzone zwar, was es mit „Ex-“Professor G. Kühn auf sich hat. Aber sich mit dem Inhalt der Postkarte auseinanderzusetzen: Fehlanzeige. Warum also würde wohl jeder zustimmen, dass Bundeskanzlerinnen und sonstige Politiker eine Satiresendung à la „Anstalt“ als berufliche Nebenwirkung aushalten müssten? In Hall aber als Majestätsbeleidigung eingestuft wird? Und deren Autorenschaft es als Schmuddelkinder auszugrenzen gilt?

Ich möchte noch mal den Fokus darauf lenken, warum mit der „Pelgrimzone“ zum Mittel der Satire gegriffen wurde: Weil Mitbestimmung und bürgerliches Engagement mit Füßen getreten wurde. Weil ein Gefühl der Ohnmacht sich breit macht, angesichts der Chuzpe und der von langer Hand eingefädelten Strategie der Weilerwiesen-Bebauung. Die schon mit Zwillingsbau entworfen war, während noch der Bürgerworkshop zum Sportpark lief. (Tatsache!) Was also passiert, wenn sich Machtlosigkeit gegenüber den Mächtigen einstellt? Es entsteht Ironie. Fatalismus. Bitterer Sarkasmus.

Sehr schade, wenn davon engagierte Menschen befallen werden, die eigentlich etwas einzubringen hätten; mitarbeiten könnten, an einer besseren Zukunft Ihrer Stadt. Nur halt in der für ausgewogenes Zusammenleben erforderlichen breiten Teilhabe. Wie es woanders längst zum selbstverständlichen Werkzeug der Demokratie zählt. So wie die Satire.

Über Sven Haustein 33 Artikel
selbständiger freier Architekt in Schwäbisch Hall, vielseitig ehrenamtlich engagiert z.B. beim gemeinschafltichen Bauen in Schwäbisch Hall, bei Hall Aktiv, im Carsharing-Verein "teilAuto Hall e.V.", Haus & Grund, der Architektenkammergruppe und dem Bürgerforum.

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