Die Vorstellung der Globe-Theater-Entwürfe

Das Kriegerdenkmal am Reschenpass
Das Kriegerdenkmal am Reschenpass (Panoramio.com)

Ein nächster Schritt auf dem Weg zur dauerhaften zweiten Spielstätte der Freilichtspiele.

Die Blendstatthalle war am Abend des 14.01.16 gut gefüllt. In mehreren Reihen hintereinander waren die Bürger zahlreich zu Gast, um die Vorstellung der weiterentwickelten Entwürfe für das Globe-Theater bzw. dessen Nachfolgebau mitzuverfolgen. Siehe auch den Bericht des Haller Tagblatts und die zugehörige Bildergalerie.

Kurzer Blick zurück.

Im Sommer des Jahres 2015, nachdem der von der Stadtverwaltung und den Freilichtspielen als Bauherr initiierte Entwurf des Innenarchitekten und OB-Studienfreunds Hüls aus Münster hohen Wellen schlug, mussten die Scherben erst einmal zusammengekehrt werden. Die Entscheidungsträger zeigten sich überrascht von der heftigen Gegenwehr der Öffentlichkeit. Ohne informiert oder gar beteiligt zu werden, wollte sich die Bürgerschaft ihr „grünes Wohnzimmer“, den Unterwöhrd, nicht einfach so ummöblieren lassen. Unterschriften wurden gesammelt, das Bürgerforum initiierte ein Picknick auf dem Unterwöhrd, kurzerhand wurde zu einer Versammlung „Bürgerschaft trifft Stadtplanung“ aufgerufen, und die hiesige Kammergruppe der Architektenkammer rief ihre Mitglieder auf, in einer Art Entwurfsworkshop Alternativen zu erarbeiten.
Der Gemeinderat entschied dann, dass neben der Beauftragung von Gutachten, die die Substanz des bestehenden Globes fachlich einschätzen helfen, auch die unentgeltlich entstandenen Entwurfsalternativen für eher symbolische 5000,-€ je Entwurfsgruppe konkreter weiterentwickeln zu lassen. Vor allem für den Ansatz der damaligen Globe-Architekten, selbiges zu ertüchtigen, ist dies ein wichtige Wertschätzung.
Und so kam es, dass neben dem vom städtischen Fachbereich Planen und Bauen weiterentwickelte Hüls-Entwurf , drei der im Sommer durch die Architektenschaft beigetragenen Vorschläge bis Jahresende vertieft bearbeitet wurden.

Zu den einzelnen Vorschlägen.

Das Globe 2.0 von Dr. Alexander Beck

Architekt Dr. Beck aus Blaufelden, der gemeinsam mit Landschaftsarchitekt Hauenstein seinen Neubau ursprünglich mitten im Baumbestand des Unterwöhrds platziert hatte, ließ sich diesbezüglich auf die zwischenzeitlich erfolgte Festlegung der möglichen Standorte leiten und verschob den Bau an die jetzige Stelle des Globes. Sein Vorschlag sieht ein komplett verglastes Foyergeschoss auf Platzebene vor, der eigentliche Saal thront darüber und ähnelt der Form nach einer Obstschale mit ungefähr ovalem Grundriss. Die Saalfassade ist mit senkrechten, kräftigen Rippen gestaltet, dazwischen verglast, und auch das flache Dach soll einen großen Verglasungsanteil erhalten, der auch noch größtenteils nach oben aufklappbar das Freilichtspiel-Feeling garantieren soll. Sein Entwurf ist in seinen Ausmaßen sehr groß, der Unterwöhrd wird in seiner Breite weit überwiegend überbaut. Die Größe, die auch als „Kongresszentrum“ genutzt 622 Sitzplätze bieten könnte, begründet Dr. Beck mit „besserer Wirtschaftlichkeit durch nutzbare Multifunktionalität.“ Das dies alles „nur durch mehr Nachdenken“, nicht aber durch höhere Kosten erreicht werden könne – das bleibt neben des sehr großen Bauvolumens der entscheidende Knackpunkt. 6,0 Mio € Gestehungskosten werden geschätzt. Bautechnisch ist das Konzept aber nicht ohne Risiken: Das öffenbare Glasdach ist sowohl konstruktiv als auch in Sachen Hitzeschutz gewagt, und auch der sonst hohe Glasanteil ist in aller Regel kostentreibend. Die ebenfalls vorgeschlagene, optionale Unterkellerung ebenfalls.

Das Brückentheater von Architekt Schuch

In der 1. Fassung vom Sommer war das Brückentheater ein dreieckiger Baukörper und stand über dem Kocherarm zwischen Lindach-Buckel und Unterwöhrd. Auch Herr Schuch folgt der zwischenzeitlichen Einschränkung der Standorte und verlegt sein Theater diesmal neben den Steinernen Steg. Das WC-Häuschen auf dem Grasbödele und die Hütten des Biergartens müssen einem diesmal quadratischen Baukörper weichen. Im Inneren des Gebäudes liegt die Bühne – ähnlich wie in der Arche des Sonnenhofs – in der Ecke des Raumes, während sich die Zuschauerränge als Viertelkreis herum legen. Er nimmt auch die Idee auf, dass von der Eckbühne aus auch eine Außenbühne auf dem Unterwöhrd bespielt werden kann. Warum ein „Brückentheater“, über den Kocher gebaut? Herr Schuch möchte einen baulichen Eingriff in den Park-ähnlichen Baumbestand des Unterwöhrds vermeiden und platziert das Bauvolumen auf bisher quasi ungenützte Flächen über dem Wasser. Leider tut er dies (im neueren, würfelförmigen Fall Richtung Grasbödele) in einer Art und Weise, dass damit der reizvollste Teil dieser abwechslungsreichen Stadtgestaltung mit mehreren Inseln, Brücken, Flussarmen und der einzigartigen Altstadtkulisse von den Kocherhäusern bis hoch zum Neubausaal erst recht gestört (eher zerstört) wird, ohne für sein Gebäude eine nachvollziehbare Antwort anzubieten, wie sich der Baukörper gestalterisch hier als „Störfaktor“ trotzdem empfehlen könnte.
Geschätzte Kosten: 5,0 Mio €.

Die Rettung des alten Globes

Die Architekten Kienle, Kuhn, Mix, Schuhmann, Weidenbach und Zink hatten vor gut 15 Jahren in einer beispiellosen Gemeinschaftsaktion das Globetheater geplant. Es war und ist ihnen eine Herzensangelegenheit, das inzwischen mehrheitlich hoch geschätzte Objekt nicht einfach so untergehen zu lassen. Vor allem nicht so, dass es wie in der jüngsten Zeit als abrissreife „Bruchbude“ dargestellt wird, vor allem von jenen, die sich gerne mit der Neuschaffung einer Spielstätte denkmalhaft verwirklicht sehen würden. Daher ist die Weiterentwicklung ihres Entwurfes vom Sommer vor allem dadurch geprägt, dass sie sehr detailliert auf alle aufgeworfenen Fragen zur Erhaltungsfähigkeit des Globes Antworten erarbeitet haben. In einer Matrix werden die Anforderungen der Versammlungsstätten-Verordnung, des Brandschutzgutachtens und des Freilichtspielekatalogs aufgelistet und Punkt für Punkt abgearbeitet.
Der offensichtlichste Teil des Vorschlagkataloges: die bislang vermissten Nebenräume sollen dort, wo sich Hütte um Hütte hinzugesellte, in Form eines weiteren zweistöckigen Rundbaus angliedern. Es entsteht ein kleiner Hof, der auch für Kleinkunst, Verkostung oder andere Veranstaltungen genutzt werden könnte. Die Architekten räumen zwar ein: Eine „ganzjährige Bespielbarkeit“ wird mit dem Bestandsbau nicht erreicht werden können. Alle anderen Kriterien können aber – allen Unkenrufen zum Trotz – erfüllt werden. Und das mit detailliert erarbeitetet Kosten von rund 2,0 Mio €. Der Fleißarbeit des Architektenteams muss man Respekt zollen. Die vorgebrachten Gedanken erscheinen sehr weitgehend und atmen den Geist einer hohen Realisierungsfähigkeit. Erwähnen sollte man, dass der Lösungsansatz von Anfang an dreiteilig war: Zu den Arbeiten am und um’s Globe herum gehören auch die Idee, den Biergarten auf Pontons noch weiter auf die Spitze des Unterwöhrds zu schieben und die Bewirtungshütten als schalltrennenden Riegel in Verlängerung des roten Stegs anzuordnen. Und es gehören die Vorschläge zum Umbau des Neubausaals dazu, der ja ohnehin mittelfristig ansteht, und der dann ggf. die geforderte ganzjährige Bespielbarkeit mehr als adäquat ersetzen kann.

Der Nachfolgebau der Stadtplanung

Herausragend prophetische Eigenschaften braucht man nicht, um dem weiterentwickelten Hüls-Entwurf die größten Realisierungschancen aller Vorschläge einzuräumen. Schließlich wird er vorangetrieben von OB Pelgrim und mit recht hohem Personaleinsatz im Fachbereich Planen und Bauen immer detaillierter durchgeplant. Während die Ursprungsvariante mit ihrer Platzierung mitten in die Bäume des Unterwöhrds noch viele Leute gegen sich aufbrachte, wurde inzwischen von Herrn Koch und Herrn Klink viel daran verbessert. Vom Innenraum her war der Entwurf schon immer atmosphärisch sehr ansprechend. Die aktuelle Platzierung, gegenüber des jetzigen Globes ein wenig nach hinten geschoben, und mit gedrehter, zum Platz hin auch öffenbarer Bühne dürfte ein gutes Gleichgewicht austarieren zwischen Baumerhalt, freier Fläche auf dem Unterwörd mit dem einzigartigen Fluss- und Stadtensemble, sowie dem etwas größer werdenden Freibereich zwischen Steineren Steg und Theaterbau, an dem es v.a. bei den Festen immer recht eng zugeht. Die Bespielung der Bühne zum Platz hin kann man sich z.B. beim Lichterfest super vorstellen. Sehr gut ist auch die Idee der luftigen Netzfassade zum baumbestandenen Unterwöhrd hin. Das Gebäude könnte auch mit einer an das bestehenden Globe angelegten rohen Materialität bestehen. Was im momentanen Stand der Bearbeitung stört: Vor allem die Natursteinfassade. „Geht gar nicht“ möchte man spontan ausrufen. Natürlich ist die Herleitung des Muschelkalks von vielerlei Orten in der Stadt nachvollziehbar. Aber die damit erzeugte Massivität weckt eher Assoziationen an das Kriegerdenkmal am Reschenpass als an das, was sie in sich tragen soll: eine Spielstätte. Wenn man dem Unterwöhrd wirklich (weiterhin) eine Bebauung zumutet, muss sie heiter, leicht wirken. Wie die rückwärtige Fassade Richtung Bäume und Fluss ist. Diese trägt allerdings auch ein gestalterisches Manko: Der Eingang in das Theater müsste sich Richtung Steinerner Steg orientieren, aber die ungegliederte Fassade gibt keinen (Haupt-)Eingang zu erkennen, obwohl im Inneren im Bereich der Kasse sicher ein solcher angedacht ist. Die achsensymmetrische Planung des Baukörpers wird den verschiedenen Anforderungen des Außenraums – Kocherufer, Park, Hauptzugangsrichtung und Platz – so nicht gerecht. Funktionell zu bemängeln ist das vollständige Fehlen von Seitenbühnen. Ob die Freilichtspiele gut damit leben können, dass alle Bühnenbilder immer erst aus dem Keller geholt werden müssen?
Die Kosten für den Neubau werden von Herrn Koch mit 5,2 Mio € angegeben, einschl. Abbruch des best. Globes, aber ohne Platzgestaltung. Das größte Kostenrisiko ist dabei übrigens nicht, dass man ein Untergeschoss aus wasserundurchlässigem Beton herstellen muss. Eher die Frage, ob das Hochwasser mit dem Gefahr des Aufschwimmens ausreichend berücksichtigt wurde. Ggf. notwendige Pfahlgründungen und -verankerungen gehen schnell ins Geld.

Fazit:

Zwei Vorschläge drängen sich für eine Realisierung auf: Das bestehende Globe-Theater hat eine sauber bewiesene Zukunft – Totgesagte leben länger. Und der Vorschlag der Stadtplanung, der natürlich mit allen Verlockungen einer Neubauplanung punkten kann. Es wird eine Frage des Budgets sein, das man den Freilichtspielen als dem wichtigsten, aber auch nicht einzigen Kulturträger in der Stadt zukommen lassen will: Ein nach allen Regeln der (Bau-)Kunst ertüchtigtes Sommertheater in bekannter Form für rund 2,0 Mio € oder ein ganzjährig bespielbarer Neubau für 6,0 Mio €, der viele Wünsche erfüllt?

Man könnte es aber auch anders herum betrachten: Wenn man heute dazu bereit ist, 6 Mio € in die Kulturstätten der Stadt zu investieren, dann könnte man damit Globe-Theater UND Neubausaal ertüchtigen – was ehrlicherweise ja ohnehin anstehen würde. Dann hätte man nicht nur eine zweite Spielstätte – man hätte eine dritte!

 

Über Sven Haustein 33 Artikel
selbständiger freier Architekt in Schwäbisch Hall, vielseitig ehrenamtlich engagiert z.B. beim gemeinschafltichen Bauen in Schwäbisch Hall, bei Hall Aktiv, im Carsharing-Verein "teilAuto Hall e.V.", Haus & Grund, der Architektenkammergruppe und dem Bürgerforum.

1 Trackback / Pingback

  1. Das Bessere ist der Feind des Guten. | Bürgerforum Schwäbisch Hall

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*