Globe-Bürgerentscheid gefährlich?

Leserbrief von Hans A. Graef:
Wie HT-Chef Dr. Haas zurecht feststellt, ist die mangelhafte Bürgerbeteiligung hinsichtlich der unstrittigen 2.Spielstätte ein Negativbeispiel – allerdings tragen für diese Verzögerung die Freilichtspiele und die Stadtspitze die Verantwortung, die mit allen Mitteln versuchten, ihr Hülsmodell durchzuziehen. Durch das demokratische Engagement vieler Bürger und der Haller Architekten, deren kompetente Vorschläge als Impulse abqualifiziert wurden – während Stadtplaner Koch eifrig am noch nicht beschlossenen Entwurf weitergearbeitet hat, liegt nun eine echte Alternative vor. Der Schachzug mit dem Brandschutzbeauftragten führte durch die verdienstvolle Arbeit der Architekten zu einem Remis, und das Urteil der sogenannten neutralen Sachverständigen ist verdienstvoll, aber tendenziös und entspricht trotz vieler kluger Bewertungen einseitig der Vorgabe des Oberbürgermeisters. Insbesondere die hörbar einseitige Abqualifizierung der Bestandsicherung des Globe durch Frau Lange-Tiedje zeugt von mangelnder Neutralität – und weshalb sollten drei Stuttgarter Architekten mehr Sachverstand aufbringen als sechs aus Hall? Dabei ist festzuhalten, dass der Koch-Neubau inzwischen, nicht zuletzt durch den Widerstand der Bevölkerung verschoben und modifiziert, eine machbare und angepasste Option ist mit einigen Qualitäten. Die Außenfassade müsste allerdings geändert werden (Gutachterurteil).
Nun liegen erstmals zwei fachlich und sachlich vollwertige Modelle vor, über die der Gemeinderat oder auch die Bürgerschaft echt entscheiden können. Auf die Polemik der Honoratiorenparteien mit dem F, das sei undemokratisch oder gar gefährlich (?) und es gehe nur noch um „geprüfte Fakten“, muss man nicht eingehen. OB Pelgrim möchte ich widersprechen es sei nur noch die Frage des Baurechts usw. zu klären. Und weshalb sollte eine finale Entscheidung eine Pseudo-Bürgernähe sein, nachdem erstmals eine reale Abwägung aller Kriterien und Kosten möglich ist? Das Bürgerforum hat einen exakten Kriterienkatalog für beide Modelle erstellt, der nach dem Kultur- und Theaterkonzept, den Bau- und Betriebskosten, dem Flächenverbrauch, einer möglichen Brücke, der Baulogistik, dem Denkmalschutz, der Archäologie (Kellergeschoss), nach Fördermitteln und Sponsoren fragt. Letztlich kann auch die Frage nach dem renovierungsbedürftigen Neubausaal und dem Alleinstellungsmerkmal (Globe) gestellt werden. Oder brauchen wir wirklich ein Eventtheater auf der Kocherinsel?  Ein Bürgerentscheid mit Vergleich aller kulturellen und finanziellen Fakten kann als legitime Option nicht einfach verworfen werden.

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