Was macht eine Gemeinschaft aus?

Ein Leserbrief von Wolf Döhner, SHA.

Was macht eine Gemeinschaft wie die der Stadt Schwäbisch Hall aus? Sind es die infrastrukturellen Systeme der öffentlichen Betriebe, der Verwaltung, der privaten Geschäfte, der verschiedenen Vereine, um nur einige Bereiche zu nennen. Oder gibt es darüber hinaus etwas, das unsere Gemeinschaft definiert?
Mir fällt da zuerst etwas ein wie Verantwortung, Offenheit und Gemeinsamkeit.
Das sind allesamt abstrakte Begriffe, die im Einzelnen eher mühsam und unvollständig konkretisiert  werden müssten.
Und doch glaube ich, dass diese Begriffe sehr wichtig sind, um unsere Gemeinschaft voran zu bringen.
Voran meint unter anderem weg von eingefahrenen  Gleisen. Voran meint vor allem Visionen für eine Zukunft unsere Gemeinschaft.
Daran hapert es gewaltig in Hall. Was der GR in seinen  Sitzungen, denen ich immer wieder einmal beiwohne,  beschließt, ist weit entfernt von Visionen für ein gedeihliches Beisammensein der Bevölkerung, ja es wird sogar nicht einmal darüber diskutiert.
Es wird u.a.über Bauvorhaben geredet und abgestimmt. Manche sind nicht nur sinnvoll, sondern auch sehr nützlich für die Stadt und seine Bürger, manche allerdings auch eher fragwürdig. Nun gut, es wird letzlich demokratisch entschieden.
Aber wo bleibt die Diskussion über eine Perspektive der Kommune und seiner Bürger? Es gibt zwar einen Stadtentwicklungsplan. Aber warum gibte es kein Bürgergremium, das diesen sozusagen ständig auf dem Laufenden hält, am Ohr der Bevölkerung ist und darauf achtet, dass der Plan auch umgesetzt wird? Warum sind die Gemeinderäte oft Lichtjahre entfernt von dem, was ihre Wähler bewegt? Und warum wird noch so vieles in verschwiegenen Kammern der Verwaltung vorentschieden?
Natürlich, Gemeinderäte sind auch nur Mernschen, mit begrenzter Zeit, Auffassungsgabe und  Entscheidungskraft. Aber nicht zuletzt deshalb wäre es auch zu ihrem Vorteil und zu ihrer Entlastung, wenn es ein Gremium gäbe, das ihnen zuarbeitet.
Solch ein unabhängiges Gremium der Bevölkerung, in dem Anliegen derselben ständig zur  Sprache kommen und ggf. in Initiativen und Anträgen an den Gemeinderat münden, wäre ein Forum, Visionen zu artikulieren und Zukunft konkret zu gestalten. Es wäre  sozusagen eine Art Zukunftswerkstatt, die unserer Gemeinschaft sehr gut täte, weil sie u.a. zumindest einen Teil des Frustes der Bevölkerung über die „da oben“ abbauen würde.
Solch ein Gremium gibt es sogar schon.
Das Bürgerforum ( http://buergerforum-sha.de  ) ist eine für jederman offene Gruppierung von Haller Bürgern, die sich einmal im Monat treffen und Belange der Stadt besprechen. Aber es leidet unter chronischem Mitarbeitermangel und wird zudem von Gemeinderäten gelegentlich als „Pack“ bezeichnet, weil es Dinge zur Sprache bringt, die diesen offensichtlich nicht behagen.
Aber eigentlich müsste die Stadt selbst größtes Interesse an solch einer „Zukunftswerkstadt“ haben. Jedes größere Unternehmen unterhält aus wohl verstandenem Interesse solch ein Gremium. Warum ist das in der „kleinsten Kapitole der Welt“ (Werbespruch der Stadt) nicht möglich?

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