Kopfsteinpflaster wird zu „Kopflospflaster“ – Untätigkeit und Übereifer in der Haller Verwaltung.

Geht man derzeit zu Fuß durch die Haller Innenstadt, fällt auf, dass die schönen alten Kopfsteinpflaster so langsam „vor die Hunde gehen“. So sind großflächig viele Pflaster-Gehbereiche bis in ca. 5 cm Tiefe ohne Zwischenfüllung, eine äußerst wacklige Angelegenheit, vor allen Dingen für ältere Menschen; Autofahrspuren haben sich stellenweise in die Pflasterungen eingegraben, z.B. am Hafenmarkt. Einzelne fehlende Steine sind stümperhaft mit Beton ausgefüllt worden, was sehr unansehnlich ist. Teilweise sind die Zwischenräume aber auch „zeitgemäß“ betonmäßig verfugt worden, sodass die ursprüngliche typische Altstadtpflasterung gar nicht mehr vorhanden ist.  Sicherlich haben auch auch viele andere BürgerInnen oder BesucherInnen Halls die genannten Beobachtungen gemacht, aber es gilt wohl offensichtlich hier inzwischen wie auf dem Unterwöhrd auch das hilflose Motto: … kann man eh nichts ausrichten.

Mir ist ganz unerklärlich, wieso gerade die „Verantwortlichen“ in der Verwaltung und die große Zahl der Gemeinderatsmitglieder auf die o.g. Missstände noch nicht aufmerksam geworden sind.  Der Werkhof oder eine beauftragte Firma müssten doch schon längst im berechtigten Interesse von Nachhaltigkeit sowie der Gehsicherheit tätig geworden sein: Nicht, wie zu beobachten, mit „Flickfüllerei“, sondern mit einer regelmäßig vorgenommemen Pflege des Pflasterbestandes, was einen Zustand wie jetzt garnicht erst hätte entstehen lassen. Es kann doch nicht so schwer sein, die ortstypische Pflasterung in Schwäbisch Hall vorsorglich zu pflegen und langfristig in ihrem Bestand zu erhalten!

Ein aktuelles Beispiel für Fehlplanung, gekoppelt mit ungenügender Pflege ist „Am Spitalbach“, eine mehrere Jahre alte sehr aufwendige Sanierungsmaßnahme mit „Schildbürgercharakter“. Da hat man tatsächlich erwartet, dass eine teure Metallrahmenkonstruktionen im Straßenbelag das Gewicht von Gelenkbussen und LKW-Verkehr auf die Dauer aushalten kann. Es hat sich die „hier gepredigte Neumann’sche Stabilitätsidee“ als falsch erwiesen. Stattdessen hat man mit viel Geld einen vormalig ansehnlichen  Altstadtbereich mit Fehlkonstruktionen regelrecht verunstaltet. Mit einfachen Mitteln hätte man z.B. mir dem Herausnehmen der Buslinie den „Spitalbach“ kostengünstig und nachhaltig sanieren können. In etwa 200m Entfernung befindet sich schließlich der Busbahnhof, der das „Durchkurven“ der Altstadt überflüssig machen sollte. Alternativ wurde im Verkehrsgutachten Mörgenthaler hier auch ein Kreisverkehr-Citybus vorgeschlagen, der zusätzlich auch die Parkplatzsituation in der Innenstadt entspannt hätte. Die Verwaltung: Zu teuer!

Da sind andere Städte und Gemeinden schon viel weiter, in denen der Lieferverkehr nur in bestimmten Zeiten zugelassen ist und wo das im Gegensatz zu Schwäbisch Hall auch kontrolliert wird. Dort gibt es „Park and Ride“-Systeme, Pendelbusse bei Großveranstaltungen und sogar Innenstadtverkehr mit Elektrobussen, die für die Bürgerschaft ununentgeltlich nutzbar sind. Es wird mancherorts sogar – für Schwäbisch Hall undenkbar – über kostenfreien öffentlichen Nahverkehr diskutiert. Bei uns macht man sich stattdessen Gedanken über zusätzliche Tiefgaragen, die das diesbezügliche defizitär Dilemma noch verstärken.

Bei der Baum- und Grünpflege durch Teile der Verwaltung scheinen demgegenüber die Kosten minimiert werden zu müssen?  Statt regelmäßiger Pflege und ohnehin nötigen moderaten Eingriffen in den Baum- und Strauchbestand werden in den letzten Jahren zunehmend in und um Hall  an Straßen und Wegen, fast immer aus vermeintlichen Sicherheitsgründen, ökologisch nicht vertretbare, regelrechte Kahlschläge veranstaltet, bei denen es dem gesunden Menschenverstand die Sprache verschlägt. Wenn schon die Sicherheit für die Menschen auf Plätzen und Straßen/Wegen gegeben sein muss, muss das ja nicht  in fragwürdige „Kettensäge-Mörder-Großveranstaltungen“ ausarten, deren Sinn bzw. Unsinn mehr aus betriebswirtschaftlichem Kontext (Hackschnitzel!) als aus echten „Sicherungsmaßnahmen“ herzuleiten ist. Man darf abwarten, ob die Sicherheit der Eventbesucher von „Neuem Globe“ und Unterwöhrd im Lauf der nächsten Jahre statt, wie jetzt noch, mit Baumpflege, sondern mit der Fällung wertvoller alter Bäume gewährleistet werden wird um Geld zu sparen..

Schließlich will ich „zum Ausklang“ wiedergeben, was mir in Hinsicht auf mehr oder weniger „vermüllte“ Randbereichen an Wald, Bach, Feld und Flur auf Nachfrage ein Verantwortlicher der Verwaltung  antwortete. Der Werkhof könne das Entfernen des anfallenden Mülls nicht leisten; man warte deshalb jedes Jahr auf die „Putzete“ der Bürgerschaft und Vereine. Ein Armutszeugnis für städtische Behörden, die ihre eigentlichen Aufgaben immer mehr vernachlässigen: In den Fußgängerbereichen der Innenstadt, in der Verkehrsplanung und in der Grün- und Landschaftspflege!

In diesem Sinne: „Kopf hoch und Zähne auseinander“, Peter Wüntscher

 

Ersten Kommentar schreiben

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*